August 12, 2021

2021 – French Divide: Mein letzter Tag

Um sechs Uhr fuhr ich weiter. Ich wusste, daß die kommenden beiden Sektionen hart würden, aber was soll’s. Es gab nur noch einen Track abzuarbeiten und ich lag gut. Schon 100 Kilometer Polster hatte ich mir bei diesen Bedingungen herausgearbeitet. Genug für die kommenden Sektionen in steilerem Gelände. Ich war zufrieden, trotz allem Verzichts auf die schönen Dinge, die ich von meinen vorangegangenen Touren gewohnt war.

Ich erreichte den Checkpoint zwar erst um 16 Uhr, dachhte aber noch genug Zeit zu haben, meine 170 Durchschnittskilometer zusammen zu bekommen und nicht vom Polster zehren zu müssen – Vielleicht sogar noch etwas mehr.

Am Checkpoint in Quarré les Tombes erwartete mich ein unerwartet reservierter Empfang und man informierte mich umgehend über einen Regelverstoß, der dann auch sofort zu meiner Disqualifikation führte. Hier wurde mir erst klar, daß es sich hier nicht nur um das beworbene Abenteuer sondern um eine knallhart durchgezogene Sportveranstaltung handelt. Jede Aktivität der Teilnehmer wird verfolgt und bei Abweichungen nach Strafenkatalog mit Zeitstrafe oder, wie in meinem Fall mit Ausschluss aus dem Event bestraft. Seltsam für eine Veranstaltung, die ausdrücklich kein Rennen sein soll.

Verlegen aber streng belehrte mich Samuel darüber, daß mein Transfer zum Hotel eine Verletzung des Regelwerks bedeutet und daß er mich disqualifiziert muß.

Anstatt mich dagegen aufzulehnen, nahm ich’s gelassen. Ich bin es gewohnt nicht immer 100% auf Linie zu sein, aber einen Vorteil habe ich mir nicht verschafft und auch nicht verschaffen wollen – im Gegenteil. Ich hätte auch an dem Abend an diesem Punkt bei den Einheimischen bleiben können, die auch mir die Möglichkeit zu Übernachten boten, anstatt die sowieso schon knappe Zeit, mit 90 Minuten Fahrt zu verkürzen.

So entlastete ich meine Richter, lobte Sie noch für ihr gut organisiertes Event und dankte Ihnen für die Entlastung. Ich bat Samuel noch, meine Disqualifikation auf meiner Tourkarte zu vermerken. Er tat es nicht persönlich, aber sein Helfer hatte den Humor.

Ich fuhr zurück nach Avallon und erkannte den Ort, von dem der „idyllische“ Track nur das Industriegebiet durchquerte, als ein wunderbar erhaltenes mittelalterliches Städtchen – das wäre Jesko bei seinem Taunus Bikepacking nicht passiert.

Ich konnte nun nicht mehr meine gute Verfassung bei diesem „Elimination-Race“ unter Beweis stellen, indem jeder ausgeschiedene Teilnehmer das Ansehen der Veranstaltung erhöht. Ich konnte nun Nichts mehr für meine Unsterblichkeit tun. Stattdessen war ich frei und das Leben hatte mich zum „Zug“ zurückgeholt. Es befiehlt mir nun wieder Aufmerksamkeit auf seine Schönheit zu richten.

So sah ich es in diesem Moment und so empfinde ich es immer noch.

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