August 20, 2021

2021-08 nach Domaso am Comer See

Es sind nur knappe 40 Kilometer bis zur Südspitze des Comer Sees und bis dahin nur zwei Hügel zu überwinden. Es ist noch bedeckt aber warm und dadurch angenehm zu fahren. Die Anstiege sind bis auf eine Ausnahme sanft und auf dem zweiten Berg angekommen führt eine lange Passage durch ein Landschaftsschutzgebiet.

Von Weitem schon sehe ich leuchtendes Rot aus dem direkt an die Straße grenzenden Wald schimmern. Näher gekommen erkenne ich eine Prostituierte in voller Arbeitsmontur mitten im Grünen. Ein bizarres, aber hierzulande kein überraschendes Bild, denn die Damen gehen hier an vielerlei Orten ihrem Geschäft nach. Ich habe mehrmals beobachten dürfen, daß es für manchen ebenso zu einer geflegten Mittagspause gehört, wie seine Mahlzeit.

Von diesen Frauen nun einmal ein Wort zu dem Fahrverhalten einiger Italiener. Wer hier, als Radler auf den Straßen fahrend, mit dem Zuhause gewohnten Sicherheitsabstand von 1,5 m rechnet, wird sich hier entweder ängstlich ins Gebüsch schlagen oder sich sehrbald darüber freuen, wenn ihm 30 cm verbleiben. In südlichen Ländern, Süd-Frankreich schließe ich jetzt mit ein, scheint rücksichtsloses Verhalten im Straßenverkehr zur Lebensart einer großen Gruppe von Bewohnern zu gehören. Ich kann als Ursache nur eine niedrigere Evolutionsstufe für dieses animalische Gehabe erkennen. Primaten, die nur in der Lage sind, ein Auto so einigermaßen auf der Straße zu halten, gibts es zwar auch in nördlicheren Breiten, aber im Süden trifft man auf diese Naturerscheinung häufiger (nur meine Beobachtung). Sei’s drum: da ich wenig ängstlich und stets vorsichtig bin, schränkt es mein Vergnügen hier zu fahren nicht wesentlich ein. Außerdem verhält sich auch hier eine ebenfalls starke Gruppe von Menschen freundlich und vorsichtig. Man sollte hier nur verstärkt auch auf „das“ Andere gefasst sein.

Die Abfahrt nach Como ist eine reine Freude und ich kann garnicht aufhören ein Video nach dem Anderen zu machen. Ohne die umfangreiche Ausrüstung, mit der ich es auf den letzten beiden Touren versucht habe, nur mit dem Smartphone, macht es mir Spaß. Ich sammle Photos, Panoramabilder und mache Kurzvideos, wobei ich keine 4k Aufnahmen brauche und mich mit Full-HD zufrieden gebe. Mehr braucht es nicht um ein paar schöne Momente festzuhalten, um Sie eventuell im Winter Zuhause einem netten Erinnerungsstück zusammen zu basteln.

Während ich so in meiner Glückseligkeit und Vorfreude auf den gemeinsamen Urlaub mit Elke feststecke, bekomme ich einen Anruf: auch Elke steckt mit einer roten Kontrollleuchte auf den ADAC wartend in der Nähe von Chur fest. So ein Tag ist immer für Überraschungen gut.

Das Problem war keins. Das Auto wollte lediglich zu verstehen geben, dass es ihm nach frischem Öl dürstet. Elke versprach, es Ihm Zuhause zukommen zulassen und dafür brachte der Fiorino Sie anschließend sicher und ohne weitere Meckerei zum Comer See. Was waren das doch für schöne vorelektronische Zeiten, als die Autos einfach 400.000 Kilometer durchfuhren solange man Sie nicht trocken gefahren hat. Die anspruchsvollen Karren von heute jammern bei jeder kleinen Unpässlichkeit und versagen den Dienst, wenn man Sie nicht umgehend zur Kur beim nächsten Spezialisten abliefert.

So treffe ich eine halbe Stunde vor Elke in Domaso ein und habe das Glück noch den letzten Zeltplatz zu bekommen.

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